Meike's Geschichte...
Meine GeschichteBei mir begann alles Ende 2004, Anfang 2005. Bis zum Sommer hatte ich immer mal wieder Durchfälle, die sich zunächst auch mit den „Standardmitteln“ behandeln ließen. Im Spätsommer setzten dann auch Bauchkrämpfe ein. Dann erst ging ich zu meiner Hausärztin, die erstmal auf einen Magen-Darm-Infekt tippte und mich dementsprechend therapierte. Ohne Erfolg. Sie empfahl mir dringend eine Darmspiegelung, da ihr das Ultraschallbild nicht geheuer war.
Und hier begann dann auch meine Odyssee…
Die erste Spiegelung ließ ich im September 2005 machen, im Krankenhaus meiner Heimatstadt. Bis auf das Abführen stellte das kein Problem für mich dar und ich habe von der Spiegelung auch nichts gemerkt. Der Darm sah noch nicht sooo schlecht aus, trotzdem erwähnte der Arzt, dass es Morbus Crohn sein könne, ich solle den weiteren Verlauf abwarten und bekam Salofalk. Ein paar Tage später bekam ich Sonntag abends furchtbare Schmerzen, Durchfall und Fieber. Ich konnte nicht aufrecht stehen oder sitzen und meine Mutter brachte mich ins Krankenhaus, dorthin, wo auch die Spiegelung stattfand.
Hier bekam ich dann Dinge zu hören wie:
„Sie haben wohl was von MC gehört und meinen, Sie müssten sich nun ins Krankenhaus legen….“
Ich denke, ich muss nicht sagen, was in mir vorging…
Eine Woche hing ich am Tropf, konnte nichts essen, nichts bei mir halten.
Dann endlich durfte ich heim, mit den Diagnosen: akute Gastro-Enteritis, Morbus Crohn, Hypochonder. Überall las ich in den Befunden was anderes. Toll!!!!
Aber es wurde nicht besser und auch ich fing an mich zu verändern…
Die Schmerzen machten mich wahnsinnig, ich hatte das Gefühl, die Krankheit, was auch immer es nun ist, beherrscht mein Leben. Arbeiten nicht mehr möglich, ständig musste ich Termine absagen… ich fühlte mich wie „gefangen“ von meinem eigenem Körper.
Dann kam die Kontrollspiegelung, laut des damaligen Arztes sollte ja nun alles gut sein, dank Salofalk. Er glaubte mir nicht, dass nichts gut war. Und die Spiegelung bestätigte dies. Der Darm sah nicht gut aus und die Spiegelung tat sehr weh, trotz Sedation. Als ich das erwähnte (ich erinnere mich wie heute), kam der Spruch: „Nun stellen Sie sich doch nicht so an, ich habe noch nichtmal richtig angefangen…..“
Auch jetzt keine wirkliche Diagnose. Der Eine tippte auf MC, der Andere sagte nein, aber Cortison bekam ich trotzdem. Darunter ging es mir gut, aber an Absetzen war nicht zu denken. Sofort gingen die Probleme wieder los.
Das Ganze zog sich über mehrere Monate, Monate in denen ich in der Luft hing, mit mir und meinem Leben haderte: Warum ich?
Ich wurde unfair, egoistisch, machte mein Ding, lenkte mich vermeintlich ab, schob alles beiseite, ließ niemanden an mich heran. Vielen Menschen, die mich lieben habe ich sehr wehgetan, weil ich sie nicht teilhaben ließ, ich ihre Hilfe kategorisch ablehnte. Auf die Ratschläge konnte ich verzichten, wer kann sich schon vorstellen, wie es mir geht. Sie haben diese Beschwerden ja nicht. Ich bin ja so allein… Ich suhlte mich in Selbstmitleid….
Und immer diese nervigen Fragen nach dem Befinden, die kontrollierenden Blicke, was und ob man isst. Irgendwann fing ich an zu behaupten, es ginge mir gut, obwohl das in den seltensten Fällen stimmte. Aber auch das ist nicht die Lösung gewesen, damit umzugehen. Heute spreche ich offen darüber und habe gute Erfahrungen damit gemacht. Es gibt 2 Sorten von Menschen: Die einen, die dann interessiert nachfragen, auch Auskunft von mir bekommen und mich dann in Ruhe lassen, weil es ok ist, sie es verstehen und die anderen, die es nicht genauer wissen wollen, aber mich somit nicht weiter bedrängen. Beides ist für mich in Ordnung, im Endeffekt lebe ich ja damit.
Dann stieß ich auf den DCCV und fing an, mich zu informieren. Meine Hausärztin schickte mich nach Essen in ein anderes Krankenhaus zur endgültigen Abklärung und nun bekam ich Anfang März 2006 die endgültige Diagnose Morbus Crohn.
Ja, es war trotz allem ein Schock. Die ersten Tage war ich mit den Nerven runter, wieder die Frage: Warum ich???
Da ich aber vorher schon einiges an Informationen hatte, ich mich über das DCCV-Forum austauschen konnte, begann ich, mich damit abzufinden. Es machte einfach „Klick“. Gerade die Postings, die die Psyche betreffen, waren wie ein Spiegel. Sie hätten von mir sein können und ich wurde wach. So runterziehen lassen von einer Krankheit? NEIN! Was bleibt anderes, als damit zu leben, es anzunehmen? Verdrängen bringt nichts. Ich möchte wieder „die Alte“ sein, mein Leben leben und habe gelernt, dass es einfacher ist, wenn man Hilfe von außen annimmt. Sei es die Familie, Freunde oder der Partner.
Und es funktioniert….ich bin auf dem Weg.
In Remission bin ich noch nicht, es gibt gute Tage, es gibt schlechte Tage. Aber ich versuche, nicht wieder in ein Loch zu fallen. Ich nehme es, wie es kommt, weil ich weiß, die guten Tage werden mehr.
Und warum Morbus Crohn nur als „Fluch“ sehen? Man kann überall auch positive Dinge rausziehen, vor allem in der akuten Phase:
Ich weiß nun, wer meine wirklichen Freunde sind….
Ich lernte die guten Tage zu schätzen, sinnvoll zu nutzen…
Ich lernte neue Leute kennen…
Ich lernte, du bist nicht alleine damit…
Es ist nun ein gutes halbes Jahr vergangen, mit allen Höhen und Tiefen die ich mir vorstellen kann. Vielleicht kommt wieder eine Zeit, in der es mir auch psychisch schlecht geht, aber ich denke, ich weiß nun, wie ich dem entgegen treten kann.
Ich habe den Morbus Crohn angenommen, er ist ein Teil von mir, der mich einerseits einschränkt, mir andererseits aber auch neue Wege, Sichtweisen aufzeigt.
Und ich weiß auch, ich habe noch einen längeren Weg vor mir, ich weiß, es werden Zeiten kommen, in denen ich mich am liebsten verstecken würde, am liebsten um mich schlagen würde, aber ich habe keine Angst mehr davor.
Meike, 31 Jahre
